“Die schlimmste Zeit seit 1945″ 1

Dieser Auszug eines Satzes “Die schlimmste Zeit seit 1945″ stammt von Charlotte Knobloch, der Präsidentin der Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern aus einer Rede, die sie heute, den 29.7.2014 am Platz der Opfer des Nationalsozialismus in München, hielt. Der Satz, wie ich ihn verstehe, meint, dass die derzeitige Situation – der Antisemitismus – einen Tiefpunkt in der bundesdeutschen Nachkriegszeit darstellt. Diese Zeitspanne von 1945 als “Nachrkiegsjahr” bis heute: Eine stärkere und deutlichere Formulierung über die jüdische Lage ist nicht möglich. Natürlich ist es nicht etwa 1933-1945, aber dennoch. Das Wort “schlimmste” haftet bei mir, wenn eine Jüdin, die selbst 1932 in Deutschland geboren ist, diese absolute Form verwendet.

Die heutige Kundgebung “Wehret den Anfängen!” unterscheidet sich im Vergleich zu früheren Zeiten dadurch, dass der deutsche Staat größtenteils gefestigt auf der Seite Israels steht. In diesem Punkt, zu meiner erschöpften Hoffnung, sind sich immerhin diejenigen Menschen mit politischer, institutioneller Macht einig: Sie stehen zu Israel. Was gut so ist. Und das heißt “bedingungslose Solidarität mit Israel*”, um es mit den Worten der CSU(!) auszudrücken.

Alle Parteien des bayerischen Landtag kamen und entsandten überparteilich die Landtagspräsidentin Barbara Stamm zur Rede.
Die evangelische, sowie die katholische Kirche sprachen ihre Solidarität mit Israel aus.
Ludwig Spaenle, mit dem ich sonst praktisch nie einer Meinung bin, fand ebenfalls deutliche Worte, denen ich mit vollends anschließen kann.
Mehrere Mitglieder des Stadtrates waren anwesend, der Bundesminister für Ernähung und Landwirtschaft redete.
Auch Vizeoberbürgermeister Josef Schmidt und überraschend Alt-Ob Christian Ude sprachen. Selbst Münchens Alt-Ob Hans-Jochen Vogel war gekommen. Der DGB-Bayern-Chef redete.
Es waren also durchaus viele Menschen gekommen.
Aber ich bin trotzdem zutiefst unglücklich, denn die Situation ist leider dennoch vergleichbar mit früheren Zeiten, nicht hinsichtlich des Antisemitismus, aber der Zustand der Zivilgesellschaft ist es. Denn all die wirklich politischen Menschen und die Menschen der verschiedenen Glaubensrichtungen (bis auf Muslime als zahlenmäßig größere Gruppe, die als solches heute  leider nicht sonderlich sichtbar war), eben die wenigen, die sich um das Land auch dann (im positiven Sinne) kümmern, auch wenn kein Fußball ist, sondern es um die Fundamente geht, waren anwesend.

Frau Knobloch hat Recht, wenn sie sagt, dass in diesem Punkt entschieden wird, ob dieses Land noch eine Demokratie ist, denn dieses Land hat sich auf nichts anderes gegründet als auf ein “Nie wieder”. Dieses Prinzip ist der Kerngedanke dieses Systems.

All diese Menschen verschiedenster politischen Richtungen sind sich in diesem Thema einig. In diesem Punkt bin ich näher an der CSU, als irgendwelche vermeintlichen “Linken”.

Aber genauso erdrückend ist der eigentliche Grund dieser Notwendigkeit des überparteilichen Zusammenhalts:
Beträchtliche Teile des Landes, vielleicht eine Mehrheit halten davon überhaupt nichts. Hat aber mal wieder eine “Meinung” zu einem Thema.
Während Parteien wie die Grünen den mündigen Bürger beschwören und damit wohl lange Zeiten kaum mehr Stimmen bekommen als jetzt auch schon, gibt es Akteur*innen, die von diesem Konzept nichts halten, dafür aber den die Bürger*innen ihrer Primitivbedürfnisse hacken können und deswegen erfolgreich sind. Sei es die BILD-Zeitung oder die CSU.
Und wie es glücklicherweise so ist: Die führenden Leute dieser Kapitalismus-Hacker sind eben keine soll Vollidiot*innen, die immer meinen müssen Israel zu kritisieren aber ansonsten völlig apolitisch oder pseudopolitisch sind und sowieso nicht mal wissen was auf der Welt sonst noch abgeht. Geschweige denn die Bildung mit dem Löffel zusich genommen haben.

Und so geschah es, dass ich anderer Stelle heute heute für den Axel-Springer-Verlag geklatscht habe, eben weil es das “einzige Medium, das klar zu Israel hält.” ist, wie es in etwa Charlotte Knobloch ausdrückte.

All dies ist leider auf Notwendigkeiten zurückzuführen – denn das breite Bürger*innentum interessiert sich entweder nicht, oder hat aus diversen Gründen eine schäbige Meinung. Über meine Theorie des Antisemitismus aus Faulheit bzw. die “antisemitische Standardeinstellung mangels jeglichen Wissens” schrieb ich am 11. Juli 2014.
An dieser sehr merkwürdigen Situation konnten also Sätze angehört werden, ich weiß nicht mehr ob von der CSU oder irgendeiner Kirche wie: “Wer Israel kritisiert, aber keinen anderen Staat, ist Antisemit”, für die ich online zerfleischt werden würde, dabei aber völlig richtig sind. (Aber nicht mal Antisemitismus-Definitionen können als vorausgesetzt gedacht werden)

Letztlich ist dieser Post ein weiterer Wake-up-Call an die pseudopolitische Gesellschaft, in der jede*r Depp*in ein Abitur machen kann, wenn sie nur die richtige “Sozioökonomik” hat. Für kapitalistischen Erfolg bedarf es wenig, Auswendiglernen führt mit Garantie zum Abitur und zum Universitätsabschluss. Das sind leider die Parameter des ökonomischen Systems – da kommt es auf das Individuum nicht an, dort ist der Mensch leider austauschbar. Vielleicht sehnt ihr euch ja auch danach – ich verstehe die meisten nicht für ihre, ganz offen gesagt, Beschränktheit.

Deswegen gäbe es eigentlich noch das politische System, indem der Mensch über sich selbst walten kann. Dort kommt es auf jeden Einzelnen an. Und schon wieder ist dieser schwerwiegende Demokratiefehler passiert: Es fehlt die Mitte.

Das Glück dieser Zeit: Obwohl “Linksradikale Anti-Imps, Islamistische und leider auch viele muslimische Menschen nebst Nazis, “Freidenkern” und Verschwörungstheoretiker*innen” gemeinsam auf die Straße gehen, hat dies noch nicht staatsgefärdende Züge. Gefärdet sind eben die Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, wie Juden und Jüdinnen, Trans*Menschen, nicht-weiße Menschen und so weiter. Ihr kennt das ja als abstrake Begriffe. Und langfristig eben die Zivilgesellschaft als solche, diese wird unterhölt, wenn Tag für Tag schäbige Demonstrationen stattfinden, niemand aber für das Gute eintritt. Höchstens dann sind mal mehrere Tausende auf den Straßen, wenn mal wieder etwas Gravierendes passiert ist, wie beim NSU.

Ist gerade Fußball, verschmelzen absurd viele Menschen zu dieser Deutschlandmasse – alles andere ist nonexistent. Optimist*innen sagten, damit wurde der moderne Staat, der offene, “tolerante” Staat gemeint. Ich behaupte, es ist nur ein inhaltleerer Gedanke, getrieben vom primitiven Wunsch nach Einheit, basierend auf primitiven Äußerlichkeiten.
Aber wo passieren Bekenntnis zum Positiven, wie dem Grundgesetz und den Menschenrechten denn sonst, als Handlung eben, nicht nur als Abstraktum?
Einer der wichtigsten Eigenschaften dieser Gesellschaft ist weggefallen, etwas, das über 68er-Bewegung gesagt wird, nämlich dass Menschen eintreten für ihre Überzeugungen. Der persönliche Status quo wird verallgemeinert, sobald sich das Subjekt nicht mehr betroffen fühlt, tut es so, als ob kein Mensch betroffen ist.
Selbst wenn Unrecht, Ungerechtigkeit oder Leid vor den unlogischen Beschränktheiten der menschlichen Physis passiert ist es egal. Die Geflüchteten hier, die Obdachlosen. Normalerweise bin ich es gewohnt, dass das Leid der Welt auch vollkommen scheißegal ist. Also wirklich vollkommen.

Es gibt nur eine Ausnahme: Israel. Sämtliches Leid dort ist relevant hier in Deutschland. Und natürlich muss das mittig gesehen werden, ja nicht einseitig, “Gewalt-ist-keine-Lösung” wird den noch ca. 100.000 lebenden Holocaust-Überlebenden gesagt, von denen ein Teil gewaltsam aus Auschwitz befreit wurde.
Ich will damit nicht sagen, DASS Gewalt eine Lösung ist. Aber es zeigt, dass hier einfach nichts mehr begründet werden muss. Alles ist erlaubt in der Diskussion bezüglich Israel. Eine beträchtliche Vielzahl an Äußerungen ist eben doch: Antisemtisch. Aber sie werden als solche nicht erkannt, denn der Major Consensus Narrative sagt: “Nein, da ist nichts Antisemitisches.” Und wieder eine Lektion die nicht gelernt wurde: Die Mehrheit und die Wahrheit. Und das wird noch geglaubt in Deutschland. Und Wehe der Person, die darauf hinweist.

Aber das eigentlich Wichtige: Für diese Gemeinschaft, ja für diesen Staat, für politische Gebilde im positiven Sinne einzutreten, das fehlt zu stark.

Ich meine damit nicht, auch wenn es eine Form wäre, dass ihr auf die Straße gehen sollt. Das ist dann angebracht, wenn Feinde der Demokratie auf die Straße gehen – anders sind die nicht zu stoppen. Es geht um die Sichtbarkeit von Überzeugungen. Im Internet findet derzeit eine Urkatastrophe statt, ohne dass dagegen etwas unternommen würde. Junge Menschen werden politisiert und sozialisiert mit schäbigen Meinungen, weil gerade die Schäbigkeiten diese Kanäle nützen, weil sie offline keine Chance hatten. Siehe KenFM, oder Killuminati – beides klassisch antisemitisch. Nicht nur, dass in wichtigen Themen, in nahezu allen, blanke Uninformiertheit herrscht, weil naiv geglaubt wird, dass das, was die Schule vermittelt schon im Ansatz ausreichen würde, sondern weil zivilisatorische Grundfähigkeiten verloren gegangen sind.
Ja verdammt, zivilisatorische Grundfähigkeiten. Das ausdifferenzierteste und inhaltlich komplizierteste was die Menschheit medienbasiert produzierte sind Literatur und Bücher – kein anderes Medium kann dort mithalten. Aber wer liest denn noch? Es ist ein naiver Glaube, dass das ersetzt werden könnte:
Nie hätten Menschen aller Schichten in Deutschland mehr Zeit gehabt sich zu bilden. Aber es ist immer das gleiche: Die Kognitiven Fähigkeiten, die Vernunft, die Bedürfnisse (Sex, Aufmerksamkeit, soziale Anerkennung, Hedonismus ohne Ausgleich) haben sich nicht oder kaum weiterentwickelt im Gegensatz zu den technischen Möglichkeiten.

Der Höhlenmensch hat nun Internet, erfand 9GAG und malt wieder präliterarisch Bilder an die Wand, die rein auf Gefühle zielen. Memes soll jede*r verstehen. Und ich glaube, das hat auch noch keiner so geschrieben (mir ist’s nicht bekannt): Memes sind nichts, was alle Menschen verstehen. Menschen werden durch Memes synchronisiert. Nicht das Meme ist das Meme, sondern der Mensch ist das Meme. Der Mensch wird vereinheitlicht und damit vereinfacht. Diese gegenseite Vereinfachung zwischen den Menschen ist nichts schlechtes per se. Das Problem ist, dass es auf den primitivsten Ebenen passiert.
Und das Problem ist, dass es eben nicht auf den notwendigen Ebenen passiert.
Fahnengeschwenke und Memes klicken, die Leistungen des so modernen Menschen. Aber er bekommt keine Vereinheitlichung bezüglich den eigentlich wichtigsten Leistungen der Menschheit hin: Die Menschenrechte, die Würde des Menschen.

Ein kleiner Exkurs in diesem Thema: Ich halte es für möglich, dass die banalen Äußerlichkeiten des Menschen überwunden werden können, indem wir das, für das wir inhaltlich stehen, sichtbar machen. Was früher ein getragener Button war, an welchem erkannt werden konnte, wofür der Mensch inhaltlich steht, könnte dies nun virtuelle Realität sein. Mittels dieser wäre für andere Menschen anzeigbar, dass mensch selbst gerne Bücher liest und derzeit gesprächsbereit ist um über Bücher zu reden. Wenn das mehrere machen würden, könnten wir die Offline-Welt upgraden. Online müssen Verfahren gefunden werden, wie im Prinzip alle Menschen sich verständigen können, am ehesten wohl Zustimmungsverfahren auf einzelne Sätze wie: “Staaten haben ein Selbstverteidigungsrecht gegenüber Terrorismus. Israel auch”. Denn es ist leider notwendig wenn es um Diskurshoheiten geht. Natürlich hat das nichts mit Privatssphäre zutun, aber wie wunderbar normativ wäre es, wenn jede*r Bürger*in dieses Staates sich beim Staat online einloggen könnte und dem Satz: “Auch nicht-heterosexuelle Menschen dürfen heiraten” zustimmten. Dies würde Sichtbarkeit zurückbringen.

Meine Trauer hat an diesem Punkt in Wut umgeschlagen. Also zurück zum Thema – Israel und die Gesellschaft:

Es war demnach eine größere öffentliche Veranstaltung, die so prominent geladen hat, wie es kaum anders möglich war. Aber dennoch waren nur meine politischen Freund*innen gekommen. Kein Mensch, mit dem ich aufs Gymnasium gegangen bin und auch keine aus außerpolitischen Kontexten – eben diejenigen Menschen, die ich durch einen derartigen Zufall, wie eine Schule es ist, kennengelernt habe, von ihnen habe ich keine*n gesehen.

Leider weiß ich durch politische Freund*innen, dass das im Schnitt sehr üblich ist, vielleicht alle paar Jahrgänge ein politischer Mensch. Den Grund dafür verorte ich auch hier wieder im anscheinend überforderten Erkenntnisvermögen sehr vieler Menschen. Die Abstraktionskraft, dass es eine Welt gibt, die nicht vor der eigenen Haustür liegt, ist wohl zu viel verlangt.
Wenn ich es polemisch umdrehe: Die Abstraktion, etwas vollkommen einzuverleiben was kaum da war, war mal wieder zu anderen Zeiten möglich, so der deutsche Judenhass. Ein geschichtliches Absurdum war nämlich, dass es in Deutschland kaum Juden gab. 0,2% der Bevölkerung waren jüdisch und dennoch wurde Hitlers “Die Juden sind schuld” hingenommen. Es gibt Geschichten von Wehrmachtssoldaten, die begeistert nach Polen kamen, weil sie dort zuerst wirklich, die Stürmerkarikaturen mit den orthodoxen Juden verstehen konnten.
Auch hier kann also erwartet werden, dass die Logik von “hier und jetzt” (Das eine Baby-Spiel, bei dem ein Elternteil die Hände vors Gesicht nimmt und sagt: “Ich bin weg”, ist nichts anderes) durchbrochen werden kann und der individuelle Horizont größer wird.

Politische Menschen, im Sinne von Politik, welche messbar sein sollte, nicht im Sinne von Stammtisch, oder Spaßpolitik. (Damit sind sowohl die JU gemeint, mit ihrem Motto: “50% Spaß, 50% Politk, als auch die Piraten, die ihren Filterbubble-Nerdkrams mit Politik verwechselt haben) Das reicht halt leider nicht aus. Denn das ist auch ein Problem: Die Grenzen der Politik sollten schärfer gezogen werden, ansonsten ist alles politisch und Politisch-sein ist im schlechten Fall nur noch Identität.
Aus disem Mangel an politischen Menschen folgt, dass es nicht nur eine politische Kaste gibt, sondern womöglich auch eine unfähige Politiker*innengruppe. Zwei Gründe für dies beides Zusammenhängende: Jede*r wird vom politischen System, nicht nur, aber vor allem von den Parteien gebraucht, der kein*e Vollidiot*in ist, aber die richtige Meinung hat.
Und ebenso verhält es sich: Die wichtigsten Qualitäten für den Poltikbetrieb lauten Vernetzungsfähigkeiten und daraus folgende Scheinsympathien und Gefälligkeiten untereinander. Klüngeln muss gekonnt werden, sowie stupide Ausdauer wiederum für Scheinaktionen aufgebracht. Die Mühle eben.

Und noch was: Falls Ihr meint, weil ich ja mal wieder nen spontanten Blogpost geschrieben habe, werdet ihr jetzt alle politisch, weil Ihrs endlich eingesehen habt, dass ich über _Not_wendigkeiten rede.

Ich bin mir ehrlich gesagt, und das werdet ihr wohl von keinem anderen politischen Menschen so hören, zumindest habe ich das noch nirgendswo so gelesen, nicht mehr so sicher, ob es so gut ist, wenn ihr politisch werden solltet. Wie ich es gesagt habe: Immerhin sind die Entscheidungsträger*innen zumindest in dieser wichtigen Position lustiger Weise eher einer Meinung, als bestimmte Bekannte und ich dies untereinander sind. Weil dort ein hohes Bildungsniveau vorherrscht, unter Anderem weil sich führende Politiker*innen in diesem Thema es nicht leisten können, keine Ahnung zu haben.

Das ist einer der spannendsten Fragen dieser Zeit: Hat Merkel mit ihrer Antipolitik recht? Klar, da wird sich über Politikverdrossenheit aufgeregt…
Und: Was passierte, wenn unpolitische Menschen politisch werden?
Mit der letzten Frage habe ich Ahnung. Diese Menschen sind leider völlig ungefestigt in ihren Überzeugungen und ich habe geradezu Absurdes erlebt (wann andermal). Schuld war letztlich immer mangelndes eigenes Nachdenken. Der eigentliche Politisierungsgrund kaum zu trennen von Gründen der sozialen Befindlichkeit. Wenn ausreichend viele Freund*innen politisch sind, dann steigt eben die Wahrscheinlichkeit  – so traurig es ist. So traurig das ist, wenn sich in Erinnerung gerufen wird, dass Informationen eigentlich frei verfügbar sind und dass diese keine Kosten verursachen. Höchstens noch Zeitaufwand.
Dabei wäre auch das an der schlimmsten Katastrophe der Menschheitsgeschichte zu lernen gewesen, welche gerade einmal 70 Jahre lang her ist, und aus der gerade die Deutschen lernen könnten, weil sie die Spracher der Täter sprechen: Macht Dinge nicht aus sozialen Gründen.
Was meint ihr denn bitte war denn einer der Hauptmotoren des NS? Gemeinschaftsdenken. Und wie wurde das politische Programm umgesetzt und indoktriniert? Mit Primitivitäten, wie der HJ. Ausflüge, Märsche, Musik, Gemeinschaft eben.
Nein ich will nichts verbieten, aber das was ich so beobachte, wie die Welt heut funktioniert, da hat sich nichts verändert.

Also zum zweiten Mal zurück zum Thema – Antisemitismus:
Und nein, ich schreibe keine weiteren emotionalisierenden Beispiele. Ihr seid keine Zombies, die nicht _eigentlich_ wüssten, dass es noch genügend Probleme gäbe.
Politik ist immer auch eine Frage der Moral, mal sehr deutlich, wie in diesem Fall, mal nur kaum spürbar. Moralisches Handeln, welches wohl ein abwägendes zwischen richtig und falsch ist, wird dann unwichtig wenn wir in einer Utopie leben. Das tun wir aber nicht. Wir leben nicht in einer Utopie.

Auch wenn ich viele Menschen getroffen habe, die sich ihre persönliche(!) Utopie selbst zusammengebaut haben. Das ist nicht schwer. Glück ist nicht schwer. Alles was es dazu braucht, ist die Beschränkung dessen, was in eurem Kopf eigentlich möglich wäre. Ihr schränkt eure Lebensrealität ein auf irgendein Thema.
Sei es das Theater, mögen es Drogen sein, oder Computerspiele, Partys, Arbeiten. Whatever. Das lustige ist, ich glaube es ist schwer ein Thema zu finden, in welchem es nicht möglich wäre sich komplett abzukapseln.

Heute erst wurde auf der Veranstaltung durchgegeben, dass 3 Männer einen Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal verübt haben.

Wenn also selbst in dieser politischen Kategorie – die schlimmste und eigentlich lehrreichste überhaupt nach 6 Millionen durch Deutsche Täterschaft ermordete Juden und Jüd*innen – nicht ausreichend gelernt werden kann, dann ist dieses Land langfristig verloren. Auch wenn kurz- und mittelfristig von oben regiert werden kann, was ich gegenüber einem Mob natürlich selbst auch so machen würde, auf dauer ändert es die Politik, die von der Bevölkerung abhängt.

 

Ich weiß nicht genau, wie andere Menschen denken, was sie sich erhoffen. Was genau der richtige Zeitpunkt für Sie ist, um Außeralltägliches als solches wahrzunehmen.

Haben andere Menschen einen “Eingriffspunkt”, ein “hierhin und nicht weiter” für politische Themen?
Ich verstehe es vollkommen, dass nicht jede*r seine Zeit komplett mit Politik verbringen will.
Aber was ist Euer politischer Punkt?

Ich beantworte diese Frage mit meinen Vermutungen: Einen solchen Punkt gibt es höchstens in Form eines vagen Bauchgefühls. Und das ist mal wieder sowas von unaufgeklärt unmündig, rückständig und gefährlich. Dabei wären klare Linien notwendig. Definitionen, Messbares. Bauchgefühl und Liebe – das war nie positiver und fröhlicher in diesem Land als 1941.

 

Und was tut Ihr dafür, um bei Eintreffen eines solchen alarmiert zu sein?

Was macht ihr eigentlich so?

Habt ihr Angst?

Glaubt ihr, es hat nichts mit Euch zu tun?

Ich befürchte selbst diese Antworten werden mir von den Menschen versagt, an die ich eigentlich denke.

Aber das, was im Nationalsozialismus passierte, das fandet ihr schon schlimm oder?
Was habt ihr daraus gelernt?

Frau Knobloch machte völlig unmissverständlich klar, wie sich jüdische Menschen derzeit fühlen: Junge Juden und Jüdinnen sagten den Älteren in der israelischen Gemeinde sie hätten jetzt erst richtig verstanden, was sie immer meinten mit “Antisemitismus” und dass sie jetzt die Erzählungen ihrer Großväter aus dem Schulen verständen.

Und auch eines ist für Charlotte Knobloch klar: Juden und Jüdinnen sind keine Opfer. Es geht hier nur darum, ob sie hier in Deutschland noch erwünscht sind. Es ist glücklicherweise möglich nach Israel zu gehen und sich im Zweifelsfall eben gegen die riesigen antisemitischen Mengen, wider der “Weltöffentlichkeit” zu verteidigen.

Behaltet Eure Kommentare zur Politik Israels lieber bei Euch, außer ich habt wie ich auch schon mindestens 3 aktuelle Bücher zum Thema gelesen, ansonsten halte ich es eine Form von Arroganz, vergleichbar mit der Unpünktlichkeit. Ein Kommentar ohne Mühe heißt auch hier die eigene Zeit über die Zeit des Anderen zu stellen. Selbstverständlich habe ich die Wahrheit nicht gebucht und bin ein einfacher Mensch wie ihr auch – ein möglicher Unterschied bestünde höchstens darin, dass ich mir wenigstens ein bisschen Mühe gab und gebe mir

Ich würde mich aber sehr darüber freuen, wenn ihr diesen Text verbreiten würdet. Er muss ja kein absoluter Konsens mit Eurer Meinung haben.

(Auch freue ich mich über gefundene Rechtschreibfehler – es ist meine 15,5. “Arbeits/Konzentrationsstunde” heute und in dieser Hinsich ist der Text sicherlich katastrophal…)

 

Anmerkung zu “bedingungsloser Solidarität mit Israel”: Falls es Euch lüstert hier unbedingt meinen zu müssen Kritik an Israel zu üben: 1. Kritik kann immer “gedurft” werden. 2. Bedingungslose Solidarität heißt nicht, dass es keine Kritik geben darf.

Zum Schluss: Drei Bilder.

2014-07-29 18.37.45

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